Verzweiflung

Es ist erschreckend, wie sehr mich die Depression wieder im Griff hat. Ich habe ein zwei gute Tage und dann liege ich wieder flach, weine viel, egal ob ich im Supermarkt stehe, im Auto sitze oder mich im Bett zusammenrolle… die Tränen fließen ungefragt. Ich sitze jetzt seit zwei Stunden vor meinem Kaffee und versuche mit mir zu verhandeln, doch endlich meine alltäglichen Aufgaben zu erledigen. Die Treppe muss geputzt werden, die Wäsche gewaschen und weggeräumt…. es ist nicht viel, aber es fühlt sich an, als müsste ich ein ganzes Haus renovieren und in zwei Stunden damit fertig sein. Jetzt fängt die Adventszeit an und eigentlich liebe ich diese Zeit, aber im Moment schnürt es mir die Kehle zu, weil ich will, aber nicht kann. Weil ich mich freuen will, aber nur eine tiefe Traurigkeit empfinde. Ich hadere mit mir, weil ich nicht arbeiten kann, obwohl ich das so gerne möchte. Und ich verstehe nicht, warum ich es nicht einfach in den Griff bekomme. Ich möchte mich einfach nur zusammen reißen können und machen. Nicht stundenlang grübeln über ganz normale Dinge. Gehe ich zu A oder zu B einkaufen oder beides? Nehme ich den Einkaufskorb oder ein Einkaufswagen. Oder fahre ich zu A und B zusammen. Reicht ein Einkaufskorb überhaupt…. das geht über Ewigkeiten so. Und dann schaue ich auf die Uhr und es ist wieder eine halbe Stunde vergangen und ich habe noch gar nichts getan. Diese Zustände rauben mir den letzten Verstand. Ich habe das Gefühl ich werde noch verrückter und dabei sollte doch endlich mal alles besser werden. Aber es fühlt sich nicht so an und ich frage mich, was denn nicht mit mir stimmt. Was ist denn bloß so schwierig, dass ich nicht einfach „normal“ sein kann.

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Dampf ablassen

Sorry, wenn ich etwas ausfallender werde aber ich muss mal eben Dampf ablassen.

Sie denkt sie weiß über meine Erkrankung bescheid und hätte ja soviel Verständnis.

Ein Scheiß weiß sie. Sie weiß nicht, wie es ist morgens aus einem Albtraum zu erwachen und man nicht weiß, welches Jahr gerade ist und an welchem Ort man gerade ist. Sie kennt das Gefühl nicht, wenn man es hasst, das man die Nacht nicht einfach gestorben ist und man hofft, dass der Tag schnell wieder vorbei ist, weil die Welt da draußen einem Angst einjagt. So eine Angst, dass man nicht einmal schafft die Rollos hochzuziehen geschweige denn die Wohnung zu verlassen. Wenn man nicht einmal weiß, ob man den Abend noch erlebt oder ob die inneren Monster endlich gewinnen und man sich doch das Leben genommen hat. Denn das ist ein sehnlicher Wunsch. So übergroß, dass der Überlebenswille nur noch eine kleine Hürde darstellt. Sie weiß auch nicht wieviel Angst man manchmal selber vor sich hat.

Sie kennt auch nicht die Momente, in denen man sich zuviel zumutet und kotzen muss. Obwohl dieses zuviel alltägliche Dinge sind wie einkaufen, Wohnung aufräumen, kochen.

Aber ich wäre ja so egoistisch und hätte sie verletzt, weil ich mich nicht gemeldet habe. Sie auch nicht… aber das zählt ja nicht. Und die Ironie an der Sache. Sie ist die Frau meines ExFreundes. Die Sache ist seit 15jahren beendet. Er ist mir ein Freund geblieben. Sie ist halt… der Anhang. Klingt böse, aber meine Freundin war sie nie.

Akzeptanz der eigenen Eingeschränktheit

Die Kündigung für den Minijob ist gestern rausgegangen und auch wenn ein Teil von mir jetzt extrem rebelliert und mir miese Beschimpfungen entgegenwirft, so muss ich zugeben, dass ich extrem erleichtert bin und ich merke jetzt wieder, wieviel Druck mir das zweimal die Woche die „paar Stunden“ gemacht hat.

Ich bin ziemlich groggy, aber ich versuche meinen Haushalt wieder besser in Griff zu bekommen. Langsam… in meinem eigenen Tempo…. ich brauche wahnsinnig viele Pausen, aber im Moment kann ich das ganz gut akzeptieren. Auch wenn das Akzeptieren, der eigenen Eingeschränktheit immer noch schwierig ist. Ich komme besser damit zurecht, mich daran zu gewöhnen, dass ich eingeschränkt bin in meinem Leistungsvermögen, als mit der Bezeichnung, dass ich krank sei. Keine Ahnung warum. In meiner Leistung eingeschränkt zu sein, ist für mich auch bitter, aber es ist greifbarer. Die eigenen Grenzen sind im Moment sehr nah. Schnell wird alles zuviel… also muss ich langsam machen… ein schritt nach dem anderen… wenn ich losrennen würde, würde ich direkt gegen die Mauern knallen.

Nur die paar Stunden

Ich bin krankgeschrieben und werde den
Minijob auch kündigen. Die Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen, aber nachdem mein Körper mir ebenfalls zeigte, dass er am Limit ist, musste ich meine Konsequenzen ziehen.
Wenn ich darauf angesprochen werde, bekomme ich fast immer die gleiche Reaktion:

Es sind doch nur ein paar Stunden in der Woche und die schaffst du nicht?

Nein ich schaffe es nicht und ich kann es schwer beschreiben, weil ich es selber kaum wahr haben mag. Diese Frage ist jedesmal wie eine Ohrfeige und wie Öl ins eigene Feuer, welches mir immer wieder sagt, dass ich mich nicht genug angestrengt habe und mich einfach nur zusammen reißen müsste.

Ich habe mich angestrengt und auch die Zähne zusammengebissen. Aber es hat nicht gereicht und es tut mir selber weh, das ich versagt habe.

Jetzt versuche ich mich irgendwie wieder zu stabilisieren und es ist auch ein Klinikaufenthalt geplant. Ich habe mich auf den Weg zurück in die scheinbare Normalität so sehr selbst vergessen, dass es mir unendlich schwer fällt, gut für mich zu sorgen.

All das und der unsagbar und unbeschreiblich tiefe Schmerz ist es, der an mir haftet und mich langsam und extrem empfindlich macht. Aber wie soll ich das jemanden erklären?! Ich kann es ja selbst kaum verstehen.

Einfach schreiben….

Nachdem ich in letzter Zeit mehrere Stop-Schilder überfahren habe, musste ich dann jetzt doch mich selbst schützen und mich erst einmal aus dem Verkehr ziehen. Sprich, ich habe mich krankschreiben lassen und ich werde auch den Minijob aufgeben. Es kostet einfach zuviel Kraft. In den letzten Wochen habe ich die "normalen" Tätigkeiten wie einkaufen, kochen etc. nicht mehr bewerkstelligen können. Sobald ich von der Arbeit zuhause war, wollte und konnte ich das Haus einfach nicht mehr verlassen. Tat ich es doch, bekam ich Kopfschmerzen, Übelkeit, kalte Schweißausbrüche…. ich war und bin am Limit. Ich kann einfach nicht mehr. So richtig verstehe ich aber auch nicht, WAS genau so anstrengend ist.
Und anstelle einer Erleichterung, folgt nun die nächste Hölle für mich. Ok, ich habe mich gegen die Arbeit entschieden… nach langem hin- und herjonglieren, ob ich es wagen kann, aufzugeben. Aber genauso fühlt es sich jetzt an. Ich habe aufgegeben und versagt. Ich bin nicht einmal in der Lage zweimal die Woche für 5Stunden einer einfachen Tätigkeit nachzukommen. Was bleibt von mir? Ich habe keine Kinder, ich bin nicht in der Lage zu arbeiten…. ich kann hoffentlich demnächst wenigstens die Hausfrauentätigkeiten erfüllen. Aber im Moment kann ich auch das nicht. Mein Selbstwertgefühl ist im Keller. So lange ich denken kann, wurde ich von einem Ehrgeiz getrieben, der mich immer wieder hat aufstehen lassen. Die Beste in der Klasse sein, die Beste im Jahrgang, Studium, perfekt im Job…. es ging irgendwie immer weiter. Und wo bin ich gelandet? Ich sitze hier und ich konnte heute wieder einmal nicht raus, um einkaufen zu gehen. Ich habe vor Kunden gestanden, Vorträge, Schulungen gehalten. Vor Vorständen neue Produkte "verkauft"…. heute machen mir Menschen, die einfach nur da sind, Angst. Alles um mich herum ist emotional geladen und geht mir unter die Haut. Wenn jemand laut wird, bekomme ich Angst… bemerke ich Streitigkeiten, habe ich das Gefühl, es ist eine Bedrohung für mich, lachen andere, glaube ich, so lachen über mich…. etc.pp.
ICh wollte soviel werden und jetzt …. was bin ich jetzt? Nichts. Unfähig.
Mein Therapeut sagte mir heute, dass meine eigenen Ansprüche mich krank machen und das ich endlich akzeptieren sollte, dass ich überhaupt krank bin. Dann wäre eine Besserung möglich.
Beides scheint im Moment unmöglich. Soll ich mich feiern, wenn ich es schaffe, morgens das Bett zu verlassen?! Und auch wenn ich ebenfalls dafür bin, dass die Erkrankung Depression in der Öffentlichkeit akzeptiert wird, so tue ich mich selbst schwer, sie anzunehmen. Immer noch, habe ich das Gefühl, ich müsse mich einfach nur genug anstrengen und zusammen reißen und schon würde ich wieder funktionieren. Warum es mir allerdings nicht gelingt, ist mir ein Rätsel.
Was bleibt von mir übrig?
Im Moment erscheint mir das Leben nicht gerade sehr lebenswert.

Schutzlos

Es fühlt sich an als wäre mein Brustkorb innerlich wund und jeder Herzschlag schmerzt. Das Herz schlägt sowieso viel zu schnell und bis zum Hals. Total Unruhe, die mich zutiefst verzweifeln lässt, denn es nimmt mir auch das freie atmen. Eher ein flaches Atmen.
Seit Tagen dieser Zustand. Ich habe das Gefühl ich drehe durch.
Mein Therapeut sagte es wäre im Moment zuviel zuviel in meinem Leben und es wäre als jedes Ereignis unter die Haut geht, weil quasi keine Haut vorhanden ist. Schutzlos und ich habe keine Ahnung, was ich dagegen tun kann.
Es soll nur bitte aufhören… bitte!

Innerer Alltagskampf

Ich muss nicht arbeiten – "dank" Krankschreibung vom Psychiater. Jetzt bin ich also wieder "eigenverantwortlich". Ich sitze vor meinem Kaffee und versuche die bösen Geister der letzten Nacht zu vertreiben. Ein Albtraum jagte den nächsten.
Ich möchte die Betten neu beziehen… gleich… ganz bestimmt. Noch fünf Minuten, dann ziehe ich sie ab und das alte Bettzeug direkt in Waschmaschine. Ich kann es schaffen. Ich bin so schrecklich müde. Aber danach kann ich mich nochmal ein paar Minuten hinlegen. Ich kann das… ich schaff das…

Oooh wie ich diesen inneren Kampf hasse. Ok. Ich stehe jetzt auf und mache es einfach. Ist doch nicht so schwer… doch eigentlich schon weil der Heulklos im Hals festhängt und die bösen Geister um mich herum schwirren, aber ich muss…. ich will können…. seufz

[Edit: knapp 1,5Std später]

Die Betten sind frisch bezogen, alles entstaubt, die Folgen der umgekippten Duftölvase beseitigt und die Bettwäsche bereits gewaschen und aufgehangen. Der Saugrobbi hat auch schon sein Werk getan. Puh. Ich hab's geschafft.
Jetzt der nächste Schritt… Spülmaschine ausräumen… eigentlich ein Klacks. Aber erstmal eine Pause mit Kaffee.
Tun sich andere auch so schwer anzufangen bzw. weiterzumachen?
Ich muss heute auch noch ausm Haus. Hab Arzttermin… die quartalsmässige Blutuntersuchung steht an. Ächz
Und heute Abend kochen….
Ich bewundere all jene die Arbeit und Haushalt unter ein Hut bekommen. Ehrlich!